Wandertagebuch: 20 epische Kilometer durch die Verdonschlucht (Sentier Blanc-Martel)

​Was für ein Tag! Heute stand das absolute Highlight meiner Reise auf dem Programm: der berühmte Sentier Blanc-Martel in der Gorges du Verdon. Wer die Schlucht nur von den Aussichtspunkten der Ringstraße kennt, verpasst das Beste. Man muss hinabsteigen, um die wahre Dimension dieses „Grand Canyon Europas“ zu spüren.

​Hier ist der Bericht zu einer ziemlich intensiven, aber unvergesslichen Tour – inklusive einer spontanen Mitfahrgelegenheit am Ende.

​Die Eckdaten des Tages

  • Start: Campingplatz Municipal (La Palud-sur-Verdon)
  • Ziel: Point Sublime – und per Anhalter zurück.
  • Strecke: ca. 20 km (zu Fuß)
  • Highlight: Tiefblicke auf den türkisblauen Verdon, die Brèche Imbert und das finale Tunnel-Abenteuer.

​Der Aufbruch: Vom Campingplatz in den Canyon

​Los ging es direkt morgens am Campingplatz Municipal. Der Vorteil, wenn man von hier startet: Man läuft sich auf dem Weg hinab zum Einstieg bei den Chalets de la Maline schon mal warm. Die kühle Morgenluft tat gut, denn sobald die Sonne in die Schlucht knallt, wird es dort unten richtig heiß.

​Der Abstieg in die Schlucht ist bereits ein Erlebnis für sich. Der Weg windet sich hinab, während die Kalksteinwände links und rechts immer höher in den Himmel ragen. Unten angekommen empfängt einen das Rauschen des Verdon – dieses unglaubliche, fast unwirkliche Türkiswasser zieht einen sofort in seinen Bann.

​Mittendrin: Felsen, Treppen und Adrenalin

​Der Sentier Blanc-Martel selbst ist ein perfekt angelegter, aber durchaus anspruchsvoller Steig. Es geht vorbei an der Brèche Imbert – einer steilen Metalltreppe mit über 250 Stufen, die sich eng an den Fels schmiegt. Nichts für schwache Nerven, aber der Blick nach unten in die Tiefe ist phänomenal!

​Der Weg führt immer wieder dicht am Fluss entlang, vorbei an riesigen Felsstürzen und durch dichte, schattige Abschnitte, die eine willkommene Abkühlung bieten. Die Dimensionen hier unten sind einfach gigantisch. Man fühlt sich winzig klein zwischen den bis zu 700 Meter hohen Steilwänden.

​Das Finale: Taschenlampen raus und der Endspurt

​Ein weiteres echtes Abenteuer auf der Route sind die alten Tunnel (Tunnel des Baumes und Tunnel du Trescaïre). Ohne Taschenlampe geht hier absolut nichts – es ist stockfinster, der Boden ist stellenweise nass und die Tunnel sind überraschend lang. Ein cooles, fast mystisches Erlebnis, bevor man am Ende wieder ins blendende Tageslicht tritt.

​Nach dem Aufstieg aus der Schlucht war das Ziel erreicht: der Point Sublime. Der Ausblick von hier oben macht seinem Namen alle Ehre. Die Beine haben nach den rund 20 Kilometern aber auch deutlich signalisiert, dass es für heute reicht.

​Der Rückweg: Daumen raus!

​Da der Campingplatz in La Palud noch ein gutes Stück entfernt lag und die Beine schwer waren, hieß es am Point Sublime: Daumen raus und auf das verlassene Wanderer-Glück hoffen. Und was soll ich sagen? Es hat super geklappt! Per Autostop ging es dank netter Autofahrer unkompliziert und mit müden, aber glücklichen Beinen zurück zum Campingplatz Municipal.

​Mein Fazit

​Der Sentier Blanc-Martel ist jeden einzelnen Meter wert. Die Eindrücke aus dem Herzen der Verdonschlucht wird mir so schnell niemand nehmen. Jetzt heißt es: Füße hochlegen vor dem Camper/Zelt, das wohlverdiente Abendessen genießen und den Tag ausklingen lassen!

Tipp für Nachwanderer: Unbedingt genug Wasser mitnehmen (mindestens 2–3 Liter), feste Wanderschuhe sind Pflicht, eine Taschenlampe für die Tunnel – und ein bisschen Mut zum Trampen für den Rückweg schadet auch nicht!