Der Kreml hat seinen Kampf um die sogenannte „wahre Geschichte“ massiv intensiviert. Ziel ist es, das historische Gedächtnis nicht nur im Inland, sondern auch in Nachbarländern und der internationalen Gemeinschaft zu verfälschen und Russlands aggressive geopolitische Ambitionen ideologisch zu untermauern.
1. Die Geschichtsfälschung als Waffe
Moskau setzt auf eine systematische Umschreibung der Geschichte, die bis hin zur Publikation pseudowissenschaftlicher Monografien reicht:
- Der Fall Litauen: Die russische MGIMO-Universität veröffentlichte 2025 ein Buch zur „Geschichte Litauens“ mit einem Vorwort von Außenminister Sergej Lawrow. Das Buch stellt die litauische Souveränität infrage, ignoriert sowjetische Verbrechen und behauptet, Litauens Austritt aus der UdSSR 1991 sei „undemokratisch“ gewesen.
- Der Autor: Hauptautor dieser Monografie und der vorherigen „Geschichte der Ukraine“ ist Maxim Grigoriev, der auch das „Internationale Öffentliche Tribunal für die Verbrechen ukrainischer Neonazis“ leitete und damit die zentralen Desinformationsnarrative des Kremls verbreitet.
2. Kartenpropaganda zur Legitimierung illegaler Annexionen
Ein weiteres mächtiges mächtiges Instrument ist die Manipulation von Karten und geografischen Darstellungen:
- Extremismus-Gesetz: Russland hat sein Extremismusgesetz geändert, um Karten, die seine Gebietsansprüche von 2014 (Krim) und 2022 (annektierte ukrainische Gebiete) infrage stellen, als extremistisches Material einzustufen.
- Zwang zur Akzeptanz: Der Kreml verbreitet systematisch „korrigierte“ Karten von Russland und der Ukraine, um die Öffentlichkeit an die illegalen Annexionen zu gewöhnen, in der Hoffnung, dass die neuen Grenzen akzeptiert werden, „weil es auf den Karten so steht“.
3. KI-Deepfakes zur Entfachung historischer Konflikte
Der Kreml nutzt auch hochentwickelte, moderne Technologien, um historische Kontroversen neu zu entfachen:
- Polen-Ukraine-Konflikt: Im Juni 2025 wurde Polen Opfer einer inszenierten Provokation mit KI-gestützten Deepfakes, die auf die heikle historische Debatte über die Tötung von Polen durch die Ukrainische Aufständische Armee im Zweiten Weltkrieg abzielte. Ziel war es, die polnisch-ukrainischen Beziehungen gezielt zu untergraben.
Fazit: Geschichte als Spielplatz
Die Geschichtsumschreibung ist für Moskau nicht neu, sondern hat tiefe historische Wurzeln, die bis in die Kaiserzeit zurückreichen. Heute folgen pseudowissenschaftliche Monografien und manipulierte Karten demselben Muster: Wenn die Realität den Ambitionen des Kremls widerspricht, wird sie einfach umgeschrieben. Geschichte wird so nicht als Aufzeichnung von Fakten, sondern als flexibler Spielplatz betrachtet, auf dem unbequeme Wahrheiten einfach ausgelöscht werden können, um eine bessere Rechtfertigung für die Gegenwart zu erfinden.
Quelle: https://euvsdisinfo.eu/